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Firmen wollen Business-Applikationen mit integriertem BPM

Dem Markt für Business-Applikationen stehen offenbar deutliche Veränderungen bevor. Denn nach einer Studie des digital intelligence institute (dii) plädiert ein Großteil der Unternehmen für Anwendungen, die gleichzeitig umfassende Funktionalitäten für ein Business Process Management (BPM) bieten statt separate BPM-Systeme einzuführen. Derzeit verfügen die meisten Applikationen jedoch lediglich über eine Workflow-Unterstützung bestimmter Anwendungsfunktionen, so dass die Unternehmen für eine moderne Prozesssteuerung zusätzliche BPM-Tools implementieren müssen.

Welche Bedeutung hat die prozessorientierte Nutzung der Business-Applikationen in Ihrem Fachbereich?

sehr wichtig für alle Fachbereichsanwendungen
52%
für die meisten Business-Anwendungen sehr wichtig
24%
ist generell nur bedingt wichtig
11%
wird erst zukünftig relevant
13%

Reicht die üblicherweise in Ihren Business-Applikationen enthaltene Workflow-Unterstützung aus?

eindeutig ja
17%
weitgehend
19%
mit sehr großen Einschränkungen
25%
nein
39%

Wenn Sie vor einer Investition in eine Business-Anwendung stünden und dabei allein die Alternativen für das Prozessmanagement den Ausschlag geben sollten: Würden Sie sich für eine Anwendung mit integriertem oder separatem Prozess-Tool entscheiden?

als Bestandteil der Business-Applikationen
61%
als separates Business Process Management-Tool
32%
dies lässt sich nicht generell entscheiden
7%

Welche Vorteile sprechen Ihrer Meinung nach für ein separates Prozess-Tool?

höhere Spezialisierung des Tools
41%
bessere Prozessintegration in andere Unternehmensabläufe
44%
keine Applikationen mit integriertem Prozess-Tool im Markt
53%
einfacheres Handling der Applikationen
37%
flexibler durch getrennte Implementierungsmöglichkeit
33%
andere Gründe
29%

Welche Vorteile sprechen für ein integriertes Prozess-Tool?

gezieltere Prozessunterstützung der Fachanwendung
64%
keine doppelte Projektierung
58%
vermutlich kostengünstiger in der Implementierung
61%
Trennung von Anwendung und Prozess passt nicht mehr
66%
unterstützt das anwendungsnahe Prozessdenken
39%
andere Gründe
32%

Der dii-Erhebung zufolge steht eine Prozessorientierung im Business inzwischen außer Frage. Für drei Viertel der über 300 befragten Fachbereichsverantwortlichen hat die prozessbezogene Nutzung der Applikationen eine wesentliche Bedeutung. Andererseits urteilen ähnlich viele, dass die in den Anwendungen meist enthaltene Workflow-Unterstützung den Anforderungen eines Prozessmanagements nicht gerecht wird.

Allerdings votiert als Konsequenz daraus nur eine Minderheit von 32 Prozent der Business-Manager dafür, die Prozessanforderungen durch ergänzende BPM-Werkzeuge abzubilden. Vielmehr wünschen sich die Meisten Anwendungen, die zusätzlich über umfassende Prozessfunktionalitäten verfügen. Zur Begründung geben zwei Drittel an, dass eine Abgrenzung von Anwendung und Prozess ein überholtes Denken widerspiegele und beide Anforderungen deshalb in einer Software integriert werden müssten. Aber auch eine gezieltere Prozessunterstützung der betreffenden Fachanwendungen sowie wirtschaftliche Vorteile durch geringeren Projektaufwand und Ersparnisse bei den Lizenzkosten werden von den Befragten als Argumente angeführt.

Umgekehrt spricht nach Meinung der Befragten für eine separate Implementierung von Business-Applikation und Prozess-Software vor allem, dass den Anforderung einer unternehmensweiten Prozessintegration besser als bei einem integrierten Prozess-Tool entsprochen werden kann. Zudem vermisst mehr als die Hälfte entsprechende Marktangebote an Applikationen, die zusätzlich über vollständige BPM-Funktionalitäten verfügen.

Der wissenschaftliche Leiter des dii, Prof. Ayelt Komus, sieht in den Ergebnissen der Erhebung ein generelles Umdenken bei den Anwendern, das zu weitreichenden Konsequenzen für die Produktstrategien der Softwarehäuser führen könnte. „Bisher wurden die Business-Applikationen und die Werkzeuge zur Prozessunterstützung weitgehend unabhängig betrachtet. Doch für die Unternehmen gilt eine solche Trennung offenbar immer weniger, weil die Fachanwendungen ohne den notwendigen Prozessfokus ihren Nutzen nicht ausreichend entfalten können. Andererseits gehört es nicht zu den Kernkompetenzen der auf Fachanwendungen ausgerichteten Softwarehäuser, ihre Applikationen zusätzlich mit Werkzeugen für das Prozessmanagement auszustatten.“

Gleichzeitig verweist Komus aber auf die Problematik, dass über integrierte Tools in den verschiedenen Anwendungen eine heterogene Landschaft an Prozesswerkzeugen entsteht, sofern nicht eine Anwendung in Sachen BPM eine Leader-Funktion einnimmt. „Wenn jeder Softwarehersteller eigene Tools entwickelt, wird von Applikation zu Applikation keine ausreichende Kompatibilität zu schaffen sein und als Folge eine übergreifende Integration deutlich erschwert. Eine heterogene Prozess-Infrastruktur lässt sich nur vermeiden oder zumindest reduzieren, wenn sich die Softwarehäuser auf gemeinsame Basis-Standards einigen.“ Seine Empfehlung an die Hersteller von Business-Applikationen lautet deshalb, marktgängige Standards als Basis für die eigenständigen Lösungen zu integrieren.